Eine Wärmflasche gegen das Angst-Bauchweh am Abend

Aktualisiert: 21. Feb. 2021



Jedes 5. Kind im Alter von 5 - 17 Jahren ist betroffen


Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigt jede/r fünfte Schüler/In in Deutschland psychosomatische Beschwerden. Dazu gehören besonders häufig psychosomatische Bauchschmerzen. Meist steckt dahinter eine Angststörung mit unterschiedlichen Ursachen. Das können Ängste vor Mitschülern oder Lehrern, Versagensängste oder Trennungsängste sein, um nur einen kleinen Teil der Auslöser zu nennen.

Meine Tochter hatte diese Beschwerden schon vor vielen Jahren, zu Kindergartenzeiten, zu Grundschulzeiten. Sie kamen immer wieder hoch. Verschwanden aber genauso schnell wieder. Nichtsahnend rennt man von Kinderarzt zu Kinderarzt, um dann zu hören, organisch ist alles ok. Heute weiß ich, dass eine NICHT-Behandlung von psychosomatischen Beschwerden gerne mal in Depressionen oder sozialen Phobien enden kann. Aber der Körper und der Geist sucht sich zum Glück seine Kanäle, um auf sich aufmerksam zu machen.


Wer Hilfe sucht, wird sie finden


Leider nur nicht in unser Gesundheitssystem in Deutschland. Vor allem nicht so schnell. Es herrscht ein Ungleichgewicht zwischen der Vielzahl an betroffenen Kindern, die sich auch immer wieder, wie ich, bei Kinderärzten vorstellen und dann aber den steinigen Weg gehen müssen, um die psychosomatischen Beschwerden von den richtigen Fachkräften, den Kinder - und Jugendpsychologen oder Therapeuten, richtig einordnen lassen zu können. Und hier spreche ich noch nicht mal von dem dann notwendigen Therapieplatz. Der Behandlungsbedarf wächst deutlich aber er kann derzeit nicht mehr gedeckt werden. Das spürt man dann, wenn man die Wartelisten der psychologischen Kinder- und Jugendpraxen kennt oder von vornherein die vielen Absagen zu Therapieplätzen erfahren muss.


Auf diese Misere machen viele Verbände und Organisationen aufmerksam. Der Kern des Problems liegt aber ganz einfach an den fehlenden Fachkräfte, die unseren Kindern mit den richtigen Methoden und dem notwendigen Fingerspitzengefühl helfen können. Eine Angststörung "richtig" zu diagnostizieren ist herausfordernd, eine Angststörung dann auch "richtig" zu therapieren sehr komplex. Ärzte mit den entsprechenden Qualifikationen in der notwendigen Anzahl fehlen schlicht weg.

Die Bella-Studie zeigte auf, dass nur 21,6 Prozent der Kinder mit psychischen und psychosomatischen Beschwerden in den zurückliegenden 12 Monaten, einen Termin bei Spezialisten wie Kinder-und Jugend-Psychiatern oder Psychotherapeuten bekommen haben. Damit stoppen wir den Angstkreislauf bei betroffenen Kindern an vielen, vielen Stellen viel zu spät.


Die Sprache des Körpers ist vielfältig


Schauen wir uns nun an, warum es überhaupt zu Bauchweh oder Kopfschmerzen kommt, wenn Kinder von einer Angststörung betroffen sind.

Die Tiefenpsychologie geht davon aus, dass Denken und Fühlen des Menschen in jeder psychischen Entwicklungsphase entscheidend von unbewussten Prozessen beeinflusst sind.

So ist es auch mit der Angst. Sie ist ein Gefühl, dass oft aus der Magengegend gefühlt wird, oder in der Brust sitzt, die alles abschnürt. Manchmal wissen wir auch gar nicht warum wir plötzlich Angst verspüren. In anderen Situationen sind wir uns der Ursache aber auch direkt bewusst und nehmen das Risiko mit den Sinnen wahr.

Bei Kindern ist das oft anders. Sie verstehen in vielen Fällen selbst nicht, warum sie z.B. Angst vor der Schule haben oder wovor sie genau Angst haben, wenn sie bei Oma und Opa übernachten müssen. Es ist nicht ganz greifbar.

Aber die Angst ist da und wird real gespürt. In diesen Momenten den sogenannten externen "Realitätscheck" durchzuführen und zu sagen "Das ist doch gar nicht so schlimm! Da passiert schon nichts!" hilft natürlich nicht. Denn das Bauchgefühl signalisiert ALARM! Und das Bauchgefühl hat direkte Verbindung zu unserem Unterbewusstsein. Solche Sprüche treffen das Kind vielmehr im Herzen, denn sie werden "nicht für voll genommen", "nicht ernst genommen" und das ist wie Treibstoff für den Angstkreislauf.


Die Kraft des Unterbewusstseins ist mächtig

Unser Unbewusstes hat mehr Macht über unser Handeln, als uns manchmal lieb ist. Das Unbewusstsein agiert aufgrund von Glaubenssätzen aus der Vergangenheit. Daher stammt auch die Aussage „Die Kraft des Unterbewusstseins.“ Angst entsteht also aus genau dieser Kraft. Daher ist in solchen Situationen immer die Frage erlaubt "Hast du eine schlechte Erfahrung gemacht, die du vermeiden willst?" Bei schul-ängstlichen Kindern z.B. ist herauszufinden, mit welchen Schulsituationen sie dieses Bauchgefühl verbinden. Oft erfahren Eltern so von Situationen, die weit in der Vergangenheit liegen und die Kinder schon lange mit sich herum tragen.

Eine verletzende Situation brennt sich ein wie ein Tattoo, dass man nicht mehr von der Haut entfernen kann. Ist die Haut überseht mit Tattoos, so sagt das UNBEWUSSTSEIN also STOPP - DA IST KEIN PLATZ MEHR! oder STOP - DAS TUT ZU SEHR WEH!


Und nun bekommen Kinder psychosomatische Beschwerden, da die Angst vor einer erneuten Verletzung, die Angst vor dem nächsten Tattoo ist.

Meine Tochter hat es mir so beschrieben: Das Bauchweh kommt abends. Von ganz alleine. Das ist wie ein Wecker, um mir zu zeigen, dass ich am nächsten morgen Angst haben werde. Wie eine Erinnerungsfunktion. Die kann ich aber nicht abstellen. Sie hatte Angst vor dem Bauchweh, denn dann war sie schon mittendrin im Angstkreislauf. Der genau da startete. Jeden Tag.


Die Lösung für sie war es, alle schlechten Erfahrungen bewusst werden zu lassen. Sie hat sich selbst die Frage gestellt, warum sie eigentlich Angst vor der Schule haben KÖNNTE. Was ist alles blödes passiert? In Bezug auf Lehrer, auf Mitschüler, auf Prüfungssituationen, auf Reaktionen des Umfeld auch in Bezug auf die Eltern oder Geschwister usw.

So lässt sich die Angst womöglich auf geringes Selbstwertgefühl zurückführen. So ehrlich mussten wir auch sein. Denn je mehr schlechte Erfahrungen sie gesammelt hat, desto größeren Einfluss hatte das auf ihre eigene Wahrheit - ihren eigenen Glaubenssatz - WER UND WAS BIN ICH? Wer sich selbst nicht toll findet, wer sich selbst gegenüber negativ bewertet, der sucht nach Bestätigung dessen, hat den Fokus auf schlechte Erfahrungen gesetzt und sammelt "Tattoos auf der Haut".


Und hier muss angesetzt werden. Um Angstkreisläufe zu durchbrechen, müssen Glaubenssätze umgepolt werden, damit das Unterbewusstsein keine ALARME mehr durch Bauchweh oder Kopfweh ausrufen kann. Um die „mentale Festplatte“ überschreiben zu können, muss das ganze Kind „angesprochen“  werden. Es kann die alten Ängste nicht einfach abschalten, jedoch hat es die Möglichkeit – neue Verhaltensweisen zu erlernen, welche dann eines Tages automatisch ablaufen. Es gilt das Kind gezielt für angstbesetzte Situationen zu stärken z.B. durch das Üben von "eigene Meinung aussprechen" und weiterem Selbstbewusstseinstraining, Affirmationen und den Fokus immer auf das Positive zu richten. Es müssen Vernetzungen im Gehirn angelegt werden, die bestätigen, dass sich das Kind selbst toll und stark fühlen kann. Die Hirnforschung hat herausgefunden, dass Bereiche im Gehirn, die nicht mehr stimuliert werden, ihre Vernetzungen abbauen. Während andere die genährt werden, sich verstärken.

Angstgedanken abbauen - und Stärke aufbauen - an die man selbst glaubt.

Bauchschmerzen und Kopfschmerzen können also Körpersignale aus dem Unterbewusstsein sein, die auf etwas tief innen-liegendes bewusst machen wollen.

Schauen wir also genau hin.


Eure Philippina


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